Nach langer Talfahrt geht es nun bergauf!


Ich habe den Artikel über das schlimme Jahr 2016 endlich veröffentlicht. Und ich habe über Sams ersten Klinik-Aufenthalt Ende Februar/Anfang März 2017 geschrieben.

Das Jahr 2017 begann für mich in jeglicher Hinsicht katastrophal. Zu dem schlechten Zustand von Sam kamen noch Probleme mit meinem Job und ich hing beruflich und auch finanziell in der Luft. Die berufliche Situation klärte sich im Laufe des Mai so langsam, aber auf eine Art, die ab September unser gewohntes Leben komplett auf den Kopf stellen würde. 

 

Sam wurde insgesamt zwar stabiler, die Abstände zwischen den Serien immer größer, aber die Serien selbst konnten es in sich haben. Eine "normale" Serie bestand aus 6-7 Grand-Mal-Anfällen, allerdings, seit ich das Levetiracetam weggelassen hatte und nur noch mit Pheno on top versuchte, die Serien zu unterbrechen, wurden sie für uns Beide einfacher: Kein stundenlanges Rennen, keine Versuche, sich unter Möbeln zu verstecken oder die Wand hochzugehen und auf seine Angst und Unsicherheit draußen wurde langsam besser. In einer Serie hatte er einen Anfall, nach dem Anfall war er nahezu sofort wieder voll da und sobald er eine große Portion Futter mit Banane und Honig bekommen hatte, auch schnell wieder bereit, sich hinzulegen und einzuschlagen. Wie gesagt, das konnte in drei Tagen sechs bis siebenmal passieren, aber verglichen mit dem, was wir schon durchgemacht hatten, war das "entspannt" - für uns beide. 

 

Nur ab und an kamen eben Serien, in denen die Anfälle einfach nicht aufhören wollten. Irgendwann in so einer Serie kommt dann ein Punkt, an dem ich das Gefühl habe, dass es zu viel wird, ich den Eindruck habe, dass die Serie nicht aufhört. Da habe ich ihn dann in die Klinik gebracht und er kommt an den Pheno-Tropf. Die Neurologin war so lieb und hat mir bei seinem zweiten Aufenthalt ein Bild von ihm geschickt, weil sie weiß, wie ungern ich ihn dort lasse. 

Dieses Bild stammt von seinem Klinikaufenthalt im Juli 2017. Das Jahr war zu diesem Zeitpunkt an einem unglaublichen Tiefpunkt angelangt. Im März wurde bei einem unserer Hunde ein Osteosarkom im Vorderbein diagnostiziert. Im Juni bekam ich die Nachricht, das eines meines Pferde auf einmal eine starke Ataxie zeigen würde und er innerhalb kürzester Zeit abgemagert sei. Wir kämpften bei Ronny um jeden Tag und er sprach super auf die Schmerzmittel an. Die Gänge machte er im Wagen mit und Appetit und Stuhlgang zeigten, dass es ihm ansonsten super ging. Bei Charly, meinem Pferd, begann eine endlose Diagnostik, aber die Ursache fand man nicht und auf keines der Medikamente sprach er an. Das Bild zeigt Sam und Charly bei einem unserer Besuche als er in der Klinik stand. Sam und Charly waren von Beginn an beste Freunde und selbst mit der Ataxie und extrem schwankendem und unsicheren Gang passte Charly auf Sam auf. 

Am 12. Juli 2017 musste ich Charly gehen lassen. Sam hatte Montag und Dienstag vorher Anfälle, schien die Serie aber überstanden zu haben. Ich hatte ihn aber nicht mitgenommen, weil es eine lange Fahrt ist und ich ja ahnte, dass es auch der Abschied von Charly sein würde und ich wollte ganz bei Charly sein können und nicht immer mit halbem Kopf bei Sam im Auto. Als ich dann auf der Rückfahrt anrief, um zu fragen, wie es Sam geht, hörte ich die Katastrophe: Mehrere Anfälle, einmal ist er volle Kanne in einen Schreibtisch reingerast, hat Monitore und Lampe umgeworfen und glücklicherweise sich selbst nicht verletzt und auch sonst nur die Lampe leicht beschädigt und einen Mülleimer komplett zerstört. Die Nacht über ging es weiter und auch der nächste Tag wurde nicht besser und schließlich fuhr ich mit ihm früh in die Klinik. Daher stammt das Bild oben. 

In der Klinik hat er sich schnell stabilisiert und ich konnte ihm am Nachmittag abholen. Nicht lange danach mussten wir auch Ronny gehen lassen. 

 

Seit dem Anfall am 14. Juli morgens, nach dem ich Sam dann in die Klinik brachte und am Nachmittag wieder abholen konnte, war sein bislang letzter Anfall. Heute ist Sam 16 Wochen anfallsfrei. Das hat er in den 4,5 Jahren vorher nie auch nur andeutungsweise erreicht. Es geht ihm so gut wie seit Jahren nicht mehr. Er läuft wieder fröhlich und mit Tempo auf den Gängen mit, rennt nicht mehr gegen alles, hat seine Angst und Unsicherheit wieder verloren. Ich weiß nicht, wie lange das anhalten wird und will darüber auch gar nicht nachdenken. Wir hangeln uns von Tag zu Tag. Ich hänge unten eine Liste an, was wir nach dem schlimmen Jahr 2016 alles geändert haben. Das scheint Sam geholfen zu haben, was genau oder ob die Kombination, kann ich nicht sagen und es gilt so nur für Sam. Aber, die Botschaft, die mir ganz wichtig ist:

 

Gebt nie auf! Beobachtet euren Hund, schaut, was ihm gut tut und was ihm Stress (auch und gerade körperlich) bereitet und passt die Behandlung darauf an. Nicht immer ist mehr besser, viel häufiger ist weniger am Ende mehr. 

 

Das Schlimme oder Schwierige an Epilepsie ist, dass es eine so individuelle Erkrankung ist und jeder seinen Weg finden muss.

 

Was habe ich bei Sam gemacht:

  • Sam bekommt ausschließlich nur noch Phenobarbital. Alle anderem Medikamente sind raus, auch als Serienunterbrecher bekommt er nur noch Pheno on Top oder eben der Tropf in der Klinik. Er verträgt die hohe Dosierung gut (Spiegel ist bei 37-38) und die Leber lasse ich regelmäßig überprüfen. Pheno selbst in dieser Dosierung bereitet ihm keinerlei Stress. Alle anderen Medikamente haben das getan (Kaliumbromid hat den Magen angegriffen und alle anderen seine Wahrnehmung so gestört, dass er in Dauerangst lebte).
  • Sam bekommt nur noch sehr hochwertiges Dosenfutter und nur noch Wild, Kaninchen und Pferd hypoallergen, also Fleischsorten, von denen ich weiß, dass er sie verträgt. Und das Futter ist getreidefrei. Seinen großen Frühstückskeks backe ich selbst.
  • Sam bekommt regelmäßig (alle paar Tage) Vitamin-B12-Tropfen. Er hat chronischen Mangel an Vitamin B12 und wenn ich die Tropfen regelmäßig gebe, halte ich den Spiegel zwar auf niedrigem Niveau, aber im notwendigen Bereich.

Nicht mehr. Was davon genau oder ob die Kombination ihm jetzt geholfen hat oder ob die derzeitige Phase Zufall ist, ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur: Ich habe meinen Hund zurück. Meinen lebenslustigen, fröhlichen, ein wenig tollpatschigen, wundervollen Sam. Und egal was noch passieren wird, wie es weitergeht, diese Zeit kann uns niemand mehr nehmen. 

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